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Lia Becker, Bundessprecher*in DIE LINKE.queer

Queerpolitik muss wieder wütend werden!

Gestern hat eine Mehrheit im Bundestag gegen eine Ersetzung des Transsexuellengesetzes (TSG) durch ein "Selbstbestimmungsgesetz" gestimmt. Gegen die Menschenrechte von trans* und nicht-binären Menschen. Das macht mich wütend.

Gestern hat eine Mehrheit im Bundestag gegen eine Ersetzung des Transsexuellengesetzes (TSG) durch ein "Selbstbestimmungsgesetz" gestimmt. Gegen die Menschenrechte von trans* und nicht-binären Menschen. Das macht mich wütend.

Und: wenn es um trans* Kids geht, werde ich zur Löwin. Und das werden manche Abgeordnete, die heute gegen die TSG- Reform gestimmt haben, hoffentlich noch merken. 

Wir sind keine "skurrile Minderheit" - aber die Menschenrechte müssen weiter erkämpft werden. Und Schweigen ist manchmal nur um den Preis der Selbstverleugnung eine Option. Aber wer kann es sich leisten wütend zu sein?

Oft kommt die "Identitätspolitik" von Menschen,die zu Minderheiten gemacht werden, freundlich, optimistisch und aufklärend daher. Das hat gute Gründe. Wer kann sich Trauer und Wut leisten?

Wer wissen will, woher unsere Wut kommt: von der Ignoranz, der Gewalt und Diskriminierung in der Schule, im Gesundheitssystem, im Alltag.

Eine Folge: trans* Kinder und Jugendliche sind häufiger depressiv oder Suizid-gefährdet. 

In gegenwärtigen "Kulturkämpfen" werden trans* Kinder und Jugendliche von rechten und "besorgten" "Eltern" zu Symbolen gemacht. An ihren Leben und Körpern werden Grenzen, cis- und heteronormative, gewaltsame Vorstellungen von "Normalität", Geschlecht, Familie und Nation verteidigt. Beatrix von Storch (AfD) spricht von "perverser transgender-Ideologie" und phantasiert von der "Anstiftung zur Geschlechtsumwandlung in der Pubertät".

Aber es geht bei weitem nicht nur um Rechtspopulist*innen, sondern um alltägliche Gewalt- und Machtverhältnisse, die von Emanzipationskämpfen erst sichtbar gemacht werden (müssen). Wessen Wut wird sichtbar? Welche Leben zählen?

In der englischsprachigen Diskussion gibt es für die toxischen Wirkungen von Transfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus und anderer (intersektionaler) Gewalt den Begriff "langsamer Tod". Nennen wir die Verhältnisse beim Namen. Zeigen wir Trauer, Verletzungen und Wut, auch wenn das alleine die Mühlen der Reformpolitik nicht bewegt.

Mit einer Gesetzesreform endet diese Gewalt nicht. Aber sie kann Leben besser machen.

Die Entscheidungen heute werden es nicht ändern: trans* Leben und trans*Kämpfe zählen, für uns, für unsere Lieben, unsere Kinder - und für alle, denen Menschenrechte, Solidarität und Gerechtigkeit am Herzen liegen.

Zu der verpassten Entscheidung gestern, die langjährigen Kämpfe von unzähligen Menschen anzuerkennen, kommen die Folgen der heteronormativen Pandemie-Politik, Gentrifizierung und Verdrängung queerer Projekte, steigende Mieten, Rassismus und die Klimakrise.

queer muss wieder wütend werden, wie es viele trans* und queere Menschen sind.  Die Zeit von Glitzer und geduldiger LGBTIQ-Lobby-Politik ist nicht vorbei, aber das reicht längst nicht mehr.