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DIE LINKE,queer

DIE LINKE.queer zum Transgender Day of Remembrance 2020

Noch immer kämpfen trans*, inter*geschlechtliche und nicht-binäre Menschen um ihre Rechte. Zum internationalen Gedenktag, Trans Day of Remembrance gedenken die Communities derjenigen, die diese Kämpfe um Selbstbestimmung und Gerechtigkeit geführt haben. Weltweit wurden seit Oktober 2019 bis heute über 350 trans*Menschen ermordet. Zum TdOR erklärt Lia Becker, trans-feministische Aktivistin und Bundessprecherin von DIE LINKE.queer:

In vielen Ländern wie in den USA oder Ungarn schränken rechts-autoritäre Regierungen mühsam erkämpfte Rechte wieder ein. Transfeindliche, homo-feindliche und rassistisch motivierte Hassverbrechen nehmen unter dem Einfluss rechtspopulistischer Kampagnen zu.

In Deutschland sind wir noch weit von geschlechtlicher Selbstbestimmung entfernt. Noch immer regelt ein Sondergesetz, das Transsexuellengesetz (TSG) den Zugang zu Namensänderung und Gesundheitsversorgung und definiert „Transsexualität“ als Störung und Krankheit. Gerichte, Ärzt*innen und Psychiater*innen entscheiden über unsere Körper. Bisher verweigert die Bundesregierung ein umfassendes Gesetz zur körperlichen und geschlechtlichen Selbstbestimmung.

Die Kämpfe für Selbstbestimmung und gleiche Rechte von Trans* sind soziale Kämpfe.  Der Arbeits- und Lebensalltag vieler trans* Personen ist prekär. So sind über 30 Prozent aller trans* Personen in der EU erwerbslos. Da es nicht überall und für alle einen Zugang zur Arbeitslosenversicherung gibt, überleben viele mit informeller Arbeit. Die Mehrheit der trans* Beschäftigten arbeitet zu unterdurchschnittlichen Löhnen. Über 40 Prozent haben ein Einkommen, das keine Existenzsicherung im Alter oder bei schwerer Krankheit zulässt. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind 43 Prozent der befragten trans* Personen von Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt betroffen. Immer noch brechen viele trans* Kinder und Jugendlichen die Schule wegen andauernder Gewalt und Mobbing ab. Viele trans* Geflüchtete haben einen unsicheren Aufenthaltsstatus und sind zusätzlich von institutionellem Rassismus betroffen.

Es geht daher am TDoR nicht nur um Hasskriminalität. Die Angst vor Wohnungslosigkeit, steigende Mieten und ständige Prekarität, fehlende Angebote trans*spezifischer Gesundheitsversorgung, Diskriminierung am Arbeitsplatz, im Bildungs- und Gesundheitssystem, die Entrechtung als Sexarbeiter*innen – all diese Erfahrungen von alltäglicher und zu oft als „normal“ angesehener, unsichtbarer Gewalt wirken als tausend Nadelstiche. Sie führen dazu, dass trans* und nicht-binäre Menschen, wie viele andere von Armut und Ausgrenzung betroffene Menschen, (im Durchschnitt) früher sterben.

Starke Anti-Diskriminierungsgesetze gegen Diskriminierung in Arbeit, Wohnen, Bildung und Gesundheitsversorgung sowie durch Polizei und Behörden sind ein wichtiger Anfang. Aber sie reichen nicht aus, um geschlechtliche Selbstbestimmung und gleiche Rechte für alle Menschen, die hier leben und die zu uns kommen, zu verwirklichen. Als BAG Queer fordern wir anlässlich des TDoR:

  • Umfassende geschlechtliche Selbstbestimmung und die Abschaffung des Transsexuellengesetzes (TSG). Namens und Personenstandsänderung muss unbürokratisch, für alle, und jenseits der Zweigeschlechtlichkeit möglich sein!
  • Den Ausbau von trans*-spezifischer Gesundheitsversorgung und gleichen Zugang für alle
  • Ein von den unterschiedlichen trans* Communities und Initiativen demokratisch mitbestimmtes Förderprogramm für soziale und kulturelle trans* Infrastruktur. Dieses muss auch gut bezahlte und sichere Arbeitsplätze schaffen.
  • Höhere Löhne und einen Mindestlohn von 13 Euro. Teilzeitarbeit muss existenzsichernd sein!
  • Bezahlbares Wohnen für alle. Das heißt auch: öffentlich geförderte Wohnprojekte mit bezahlbarem Wohnraum, besserer Zugang zu genossenschaftlichem Wohnen für Trans*, nicht-binäre und intergeschlechtliche Menschen, Lesben, queere Geflüchtete und Wohnungslose!
  • Bleiberecht für alle. Kein Mensch ist illegal! Transfeindlichkeit, strukturelle Gewalt und Rassismus töten.  In diesen Wochen gilt unsere Solidarität besonders allen Menschen, die weltwelt für die Rechte von Schwarzen Menschen und von Trans*of Colour auf die Straße gehen. Black Trans*Lives Matter!